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Tiefsee in Not


 

Kahlschlag am Meeresboden: Tiefsee in großer Not

 

Vereinte Nationen müssen Tiefsee-Fischerei noch im Jahr 2004 verbieten

 

Greenpeace und weitere internationale Umwelt- und Naturschutzorganisationen forderten heute die UN-Generalversammlung auf, sich im November 2004 für ein Moratorium (befristetes Verbot) für die Tiefseefischerei auszusprechen.

 

Die Vereinten Nationen starten diese Woche die Verhandlungen zu Meeresthemen. Durch die so genannte Grundschleppnetz-Fischerei an den Tiefseebergen werden diese einzigartigen Unterwasser-Ökosysteme unwiederbringlich zerstört. Unterwassergebirge sind die am wenigsten erforschten Gebiete unseres Planeten. Sie beherbergen viele seltene Arten, u. a. Schwarze Korallen, die international unter strengem Schutz stehen.

 

"Wie ein Kahlschlag im Regenwald wirken die Verwüstungen, die die Trawler mit ihren tonnenschweren Schleppnetz-Geschirren an den Tiefseebergen anrichten. Hier werden die letzten Schatzkammern der Meere vernichtet. Bei einem einzigen Fang werden Kaltwasser-Korallenriffe zerstört, die Jahrtausende brauchten, um heran zu wachsen", schildert Antje Helms, Meeresexpertin von Greenpeace, den Ernst der Lage. "Jeder Tag, der mit endlosen Diskussionen über Maßnahmen vergeht, bedeutet möglicherweise den Verlust eines weiteren einzigartigen Lebensraumes."

 

Auf der Jagd nach Fisch durchpflügen die Fangflotten den Meeresboden mit Schleppnetzen, die über den Meeresgrund gezogen werden. Dabei werden die Netze von Tonnen schweren und etliche Metern großen Metallplatten, so genannten "Scherbrettern", offen gehalten. Diese Metallplatten zerstören alles, was sich ihnen in den Weg stellt und dringen tief in den Meeresboden ein. Man schätzt, dass bei einem Schleppnetzeinsatz 95 bis 98 Prozent der Korallenbedeckung zerstört wird. Jedes Jahr wird so die doppelte Fläche der USA am Meeresboden zerpflügt. Der angerichtete Schaden, ist unabsehbar. Tiefseeberge weisen häufig ganz spezielle Lebensformen auf, so dass jeder Tiefseeberg zugleich ein einzigartiges Ökosystem darstellen kann.

 

Dabei ist der Einsatz der Grundschleppnetze auf Hoher See rein wirtschaftlich gesehen nicht von Bedeutung. Der Anteil der Tiefseefischerei mit Grundschleppnetzen beträgt weniger als ein Prozent am weltweiten Fischfang: Von den ca. 3,1 Millionen Fischereischiffen weltweit fangen nur wenige hundert Fischtrawler in der Tiefsee. Nur 11 Industrienationen sind beteiligt, Nicht-Industrieländer sind aufgrund der hohen technologischen Anforderungen an der Fischerei in der Tiefsee fast unbeteiligt. 60 Prozent aller Fänge machen EU-Fischtrawler.

 

Greenpeace setzt mit der Arbeit zum Schutz der Tiefseeberge die aktuelle Meeres-Kampagne fort. Bereits im Sommer waren Greenpeace-Schiffe vor Neuseeland, im Pazifik und in Nord- und Ostsee unterwegs, um auf die zerstörerischen Auswirkungen der Fischerei weltweit aufmerksam zu machen. Seit heute ist das Greenpeace Schiff "MV Esperanza" unterwegs in den Nordwest-Atlantik. Dort will das Forschungsschiff die Folgen der Tiefseefischerei dokumentieren. Für den Großteil der Grundschleppnetzfischerei im Nordwest-Atlantik sind Fischer aus Norwegen, Dänemark (Färöer-Inseln), Island, Litauen, Lettland, Estland, Russland, Spanien und Portugal verantwortlich.

 

Mehr Infos dazu findest du auf unseren Meeres-Seiten.

© Greenpeace