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Die Greenpeace-Prinzipien für eine ökologische und sozial verantwortliche Fischerei" weisen einen Weg, wie die weltweite Fischereikrise in den nächsten Jahren in den Griff zu bekommen ist. Sie wurden zwei Jahre lang mit Wissenschaftlern, Fischern, Politikern und der Industrie diskutiert und enthalten die zentralen Elemente, die eine weltweite Fischereireform berücksichtigen muss.
Die Prinzipien basieren auf dem Vorsorgeansatz: Es geht darum, Meeresbelastungen zu vermeiden und nicht nachträglich notdürftig Schäden zu "reparieren", wenn die Meere auch in Zukunft als Nahrungsquelle für den Menschen dienen und als artenreicher Lebensraum fortbestehen sollen.
Die Verwirklichung der Greenpeace-Prinzipien soll zu einer Fischerei führen, die die natürlichen Abläufe im Meer nicht wesentlich verändert. Fischerei-Management darf nicht mehr auf kurzfristige Profite zielen, sondern muss für die Zukunft vorsorgen. Greenpeace fordert Regierungen, Industrie und Handel auf, die Prinzipien innerhalb von zehn Jahren umzusetzen.
Hintergrund
Fischerei-Management
Das Vorsorgeprinzip - der Kern der Greenpeace-Prinzipien
Verhinderung nachteiliger sozialer und wirtschaftlicher Auswirkungen
Regierungen, Industrie und Handel müssen Prinzipien zügig umsetzen
Dokumente und Weblinks
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Die Meere sind durch Überfischung bedroht. Die FAO, die Welternährungs-organisation der UN, bezeichnet 70 Prozent der wirtschaftlich wichtigen Bestände als "komplett ausgebeutet", "überfischt" oder "erschöpft".
Auch das Leben unzähliger anderer Meerestiere wird durch die Fischerei bedroht: Wale, Seevögel, Haie und andere Meerestiere werden als "Beifang" getötet, das Zusammenspiel der Arten im Meer geschwächt. Zusätzlich werden marine Ökosysteme rasch zerstört - viele von ihnen sind wichtige Laich- und Aufzuchtsgebiete für zahlreiche Fischarten. Ferner landet immer mehr Fisch aus südlichen Gewässern auf den Märkten der reichen Länder, oft auf Kosten von dortigen Küstengemeinden. [nach oben] |
Greenpeace veröffentlichte im Sommer 2008 einen neu erarbeiteten Kriterienkatalog für die Einstufung nicht-nachhaltiger Fischereien und Aquakulturen. Mit den von Greenpeace im Austausch mit Wissenschaftlern entwickelten einfachen Kriterien können diejenigen Fischereien bzw. Aquakulturen als "rot" einstufen, die am unteren Ende der Nachhaltigkeitsskala rangieren.
Die Methode stützt sich auf eine Reihe von Fragen über nicht-nachhaltige Praktiken in der Fischerei oder Aquakultur. Bei Wild-Fischereien sind dies zum Beispiel das Befischen von bedrohten Arten, überfischten Beständen oder Tiefseelebensräumen. Genauso schlagen zerstörerische Fangmethoden, hoher Beifang oder illegale Fischerei negativ zu Buche. Bei Aquakulturen spielen Faktoren wie Standort, Herkunft der Eier und Jungfische oder die Zahl der aus den Käfigen ausbrechenden Tiere eine Rolle.
Greenpeace nutzt die Kriterien in Zukunft weltweit, um "Rote Listen" von nicht-nachhaltigen Fischereien bzw. Aquakulturen zu erarbeiten. So veröffentlichten Greenpeace-Büros in den USA, Kanada, Spanien und Portugal ihre nationalen "Rote Listen", die auf den neuen Kriterien basieren. Die Roten Listen enthalten diejenigen Arten von Fisch und Meeresfrüchten, die zu einem hohen Anteil aus nicht nachhaltig befischten Beständen kommen, beispielsweise Atlantischen Kabeljau, Haie und etliche Tunfischbestände.
Fischindustrie und Einkäufer im Lebensmittelhandel können die relativ zügige Einstufungs-Methode ebenfalls anwenden. Greenpeace fordert den Einzelhandel auf, mithilfe der Kriterien ihr Sortiment zu überprüfen und die identifiziert "rote" Fische" auszulisten.
Ein weiteres Handwerkszeug für den Handel stellt eine neue internationale Greenpeace-Webseite dar: Sie liefert Hintergrundinformationen zur Überfischungskrise und Empfehlungen an Industrie und Händler für den nachhaltigen Bezug von Fisch und Meeresfrüchten.
Greenpeace International Seafood Webseite
Internationale 'Rote Liste' für Fischereien und Aquakulturen
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 Kriterium 1 für 'rote' Fische: Bedrohte Bestände - dies gilt z.B. für viele Tunfisch-Arten
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 Kriterium 2: Fischereien mit hohen Beifangraten z.B. an Delfinen
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 Kriterium 3: Zerstörung von Lebensräumen durch die Fischereimethode z.B. Tiefsee-Korallenriffe
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Die Verringerung der Fischerei ist eine wichtige Voraussetzung für den Wandel, so dass sich die Fischbestände erholen können. Die Befischung soll die Fähigkeit einer Art nicht gefährden, natürlichen oder vom Menschen verursachten Veränderungen der Umwelt zu widerstehen. Sie darf sich auch nicht negativ auf die Erholung bedrohter oder gefährdeter Arten auswirken.
Eine zukunftsfähige Fischerei muss auf Verschwendung verzichten. So ist langfristig jeglicher Beifang zu vermeiden (zu junge Fische und Tiere, die gar nicht genutzt werden, wie Robben, Delfine, Schildkröten, Meeresvögel, Haie etc.). Die Dezimierung von Fressfeinden der Speisefische, um die Bestände künstlich zu vergrößern, und die Düngung mariner Ökosysteme sind unsinnig und müssen abgeschafft werden.
Die absichtliche Freisetzung sowie unbeabsichtigte Verbreitung von "Fremdarten" oder genetisch veränderten Organismen muss verhindert werden. Generell soll die gesamte Fischproduktion und -verarbeitung mit den Kriterien der "clean production" übereinstimmen, das heißt umweltfreundlich gestaltet werden. [nach oben] |
Um sicherzustellen, dass menschliche Aktivität weder die Meere und Flussmündungen noch deren biologische Vielfalt schädigt, werden Umweltverträglichkeitsprüfungen durchgeführt. Der Vorsorgeansatz, der kontinuierlich auch bei reichem Fischvorkommen angewandt wird, soll sicherstellen, dass die Fischerei die Meeresbewohner und -ökosysteme nicht wesentlich oder irreparabel verändert. Mit abnehmender Zuverlässigkeit der wissenschaftlichen Daten sollte die Vorsorge zunehmen, das heißt die Fischerei abnehmen. Vorsorge schließt auch ein, die Auswirkung von Fischerei auf das Ökosystem als Ganzes zu untersuchen, nicht nur in Bezug auf die Zielfischart. Bevor neue Fischereimethoden und Fanggeräte eingeführt werden, müssen sie auf ihre Umweltverträglichkeit geprüft werden. Die Meeresnutzer müssen beweisen, dass die Nutzung das Meeresökosystem nicht schädigt. | | [nach oben] |
Mit der Umsetzung der Greenpeace-Prinzipien wird sich die zerstörerische Fischerei mit ihren meist großflächigen und kapitalintensiven Methoden in eine kleinräumige, arbeitsintensive und auf kommunaler Basis funktionierende Praxis verändern. Das Bedürfnis der Fischer an Nahrungserwerb und Unterhalt muss vorrangig berücksichtigt werden, insbesondere in solchen Gemeinden, die traditionell von lokalen Fischvorkommen abhängen. Fischereirechte müssen mit den kulturellen Praktiken und wirtschaftlichen Bedürfnissen von Gemeinden übereinstimmen, die abhängig vom Erhalt ihrer lokalen Fischerei sind.
Wissenschaftliche Erkenntnisse über marine Ökosysteme sollten mit traditionellen, auf lokaler Ebene erworbenen Kenntnissen verknüpft werden. Neue Fischereimethoden sollten vor ihrer Anwendung hinsichtlich ihrer Umwelt- und Sozialverträglichkeit geprüft werden. [nach oben] |
Als eine der ersten Maßnahmen sind die Überkapazitäten der Fangflotten abzubauen. Insbesondere die industriellen Fangschiffe müssen um mindestens 50 Prozent reduziert werden, um sie den begrenzten Fischressourcen anzupassen. Dazu müssen die Regierungen sämtliche Subventionen sowie andere Formen der Hilfe streichen, die die Ausweitung der Fangkapazitäten, die Über-Kapitalisierung und die Fangtätigkeiten der eigenen Flotte in heimatfernen Gebieten unterstützt. Wirtschaftliche Anreize sind dagegen sinnvoll, um eine ökologische Fischerei zu fördern.
Der Fischhandel und die fischverarbeitende Industrie sollten ihre Produktion und Verkaufs- und Marktstrategien an den Greenpeace-Prinzipien ausrichten. Sämtliche Industriezweige, die von der Fischerei profitieren, sollten einen Teil ihrer Einnahmen investieren, um einen sanften Übergang zu einer umweltfreundlichen Fischereipraxis zu schaffen.
Die Industrie muss die Verbraucher über die ökologischen und sozialen Bedingungen ihrer Produktion informieren, damit diese über den Kauf eines Produktes oder Alternativen entscheiden können. Dies kann durch eine ausführliche Produkt-Kennzeichnung oder andere für die Verbraucher direkt zugängliche Informationsformen geschehen. |
Greenpeace ruft alle Verantwortlichen in Politik und Industrie dazu auf, neue Wege zu beschreiten, denn ein Umdenken in der Fischerei ist dringend geboten. Deshalb fordert Greenpeace die Einrichtung eines weltweiten Netzwerkes von großräumigen Meeres-Reservaten, in denen jegliche zerstörerische Industrie-Fischerei gänzlich verboten ist, damit besonders wertvolle Ökosysteme erhalten bleiben (wie z.B. Fisch-Aufzuchtsgebiete) und besonders überfischte Gebiete und Arten sich nachhaltig erholen können. [nach oben] |
Mehr Informationen zu Meeres-Reservaten und anderen Greenpeace-Forderungen zum Schutz der Meere |
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