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Dem Gentech-Reis auf der Spur
> 06.02.2007
Dem Gentech-Reis auf der Spur


Das vergangene Jahr brachte zwei Skandale im Zusammenhang mit gentechnisch verunreinigtem Reis hervor.

 

Reis aus China

 

Im September 2006 veröffentlichte Greenpeace die Laboruntersuchungen von gentechnisch verunreinigten Reisprodukten, die aus chinesischen Reissaaten nach Frankreich und Deutschland geliefert wurden. Es handelte sich dabei um die illegal angebaute Reissorte Bt63.

 

Frankreich verkündete im Rahmen des EU-Schnellwarnsystems Spuren des nicht für den Verzehr zugelassenen Reises entdeckt zu haben. Danach gaben die deutsche und die österreichische Regierung bekannt, dass weitere mit dem Bt63-Reis verunreinigte Nahrungsmittel gefunden wurden. Insgesamt überprüfte die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) 278 Reis-Proben - 51 davon waren gentechnisch verunreinigt.

 

Reis aus USA

 

Kurz darauf verhängten die EU and Japan Importverbote und -beschränkungen für Langkornreis aus den USA. Russland erließ Ende September 2006 einen Importstopp für US-Reis. Die US-Reisexporte nach Südkorea wurden gestoppt, nachdem dieses Land von den USA gefordert hatte, ausschließlich gentechnikfreien Reis zu liefern.

 

Die Verunreinigung des US-Reises mit der gentechnisch veränderten Reissorte LL 601 aus dem Hause Bayer konnte nun in über 17 EU-Ländern und in insgesamt 24 Staaten der Welt unabhängig bestätigt werden.

US-Reiswirtschaft schwer geschädigt


Unmittelbar nach Bekanntgabe dieser Verunreinigungsfälle fielen die Terminpreise für Reis um 150 Millionen US-Dollar, was den seit Jahren stärksten Rückgang innerhalb eines Tages bedeutet. Die Reispreise lagen fast 65 Prozent unter dem gemäß Preisentwicklung geschätzten Niveau vor Ausbruch des LL-601-Reis-Skandals.

 

Die US-Reisindustrie leidet stark unter der Last von eingebrochenen Märkten, Auftragsstornierungen, Importverboten und -beschränkungen, dramatischen Preis- und Exportrückgängen sowie Laboruntersuchungs- und Verwaltungskosten.

 

Prognosen zufolge werden die US-Reisexporte im Zeitraum 2006/2007 um 16 Prozent  zurückgehen. Im Jahr 2005 beliefen sich die US-Reisexporte in die EU auf einen Gesamtwert von 86,5 Millionen US-Dollar und jene nach Japan auf 160 Millionen US-Dollar. Nun befürchtet die US-Wirtschaft, beide Märkte zu verlieren.

 

Das thailändische Handelministerium erarbeitet bereits Pläne für die aggressive Bewerbung von gentechnikfreiem Thai-Reis mit dem Ziel, die Exporte in die EU um 5-10 Prozent zu steigern. Mitte November 2006 unterzeichneten die thailändische Vereinigung der Reisexporteure und die vietnamesische Nahrungsmittel-Vereinigung ein Abkommen zur gentechnikfreien Produktion von Reis. Thailand and Vietnam sind die weltgrößten Reis-Exportländer; sie produzieren fast die Hälfte des weltweit für den Export bestimmten Reises.

 

In Großbritannien wurden Lebensmittelhändler aufgefordert, sämtliche potenziell verunreinigten Reisprodukte aus ihrem Sortiment zu verbannen. Der Konzern Ebro Puleva, der 30 Prozent am EU-Reismarkt hält, stellte den Import von US-Reis ein. 41 große Reisunternehmen stellten anhand von Erklärungen an Greenpeace mit eigenen Worten klar, dass die Reisindustrie den Einsatz von Gentechnik ablehnt. Diese Erklärungen erreichten Greenpeace aus ganz Asien, Europa, Australien sowie Nord- und Südamerika.

Der dritte Skandal

Doch jetzt kommt möglicherweise bald die nächste Welle von Produktrücknahmen und Importverboten. Die Ergebnisse von kürzlich in Frankreich und Deutschland durchgeführten Labortests verweisen nämlich auf ein drittes Verunreinigungsproblem, das in keinem Zusammenhang mit den beiden vorhergehenden Skandalen steht. Nach Funden der ebenfalls von Bayer hergestellten und in Europa nicht zugelassenen Reissorte LL 62, die in Lieferungen aus den USA nach Frankreich gelangt war, wurde in Frankreich eine Schnellwarnung veranlasst.

 

Rechtliche Schritte gegen Bayer

 

US-Reisbauern und -händler, die nicht bereit sind, die finanziellen Konsequenzen einer gewissenlosen Gentech-Unternehmenspolitik zu tragen, organisierten Sammelklagen in Höhe von vielen Millionen Dollar gegen die Firma Bayer. Neben den Sammelklagen wurden auch zahlreiche Einzelklagen eingereicht. Berichten zufolge haben auch europäische Händler rechtliche Schritte eingeleitet.

Weltweiter Widerstand bei Konsumentinnen und Konsumenten


  • Europäische und japanische KonsumentInnen zählen zu den stärksten Gegnern von gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln.
  • In Europa nimmt die Bereitschaft zur Unterstützung der Gentechnik seit 2002 ab.
  • In Österreich lehnen über 90 Prozent der Bevölkerung und auch der Bauern Gentechnik in Nahrung und Landwirtschaft ab.
  • Nach einer Umfrage des Forsa-Institutes von 2005 lehnen 79 Prozent der Deutschen gentechnisch veränderte Bestandteile in der Nahrung ab.
  • In Griechenland sank die Bereitschaft der KonsumentInnen zur Unterstützung gentechnisch veränderter Lebensmittel von 49 Prozent (1996) auf einen Tiefpunkt von 17 Prozent (2005).
  • Einer italienischen Studie zufolge glauben 74 Prozent der ItalienerInnen, dass gentechnisch veränderte Organismen (GVO) gesundheitsschädlich sein können.
  • Zwei Drittel der RussInnen lehnen Nahrungsmittel aus gentechnisch veränderten Bestandteilen ab. 76 Prozent der Befragten sprachen sich für ein Anbauverbot von gentechnisch veränderten Pflanzen aus.
  • 91 Prozent der KonsumentInnen und 71 Prozent der BäuerInnen in Thailand haben keinen Zugang zu Informationen über Vor- und Nachteile der Gentechnik in der Landwirtschaft und stehen der Gentechnik hinsichtlich möglicher gesundheitlicher Auswirkungen skeptisch gegenüberstehen.
  • Ein Studie im Auftrag von Greenpeace China zeigte eine Abneigung gegenüber Gentech-Nahrung und speziell eine Ablehnung von Gentech-Reis. 79 Prozent der Befragten ziehen gentechnikfreien Reis vor, 78 Prozent halten nicht zugelassenen Gentech-Reis für unsicher.
  • 30 Prozent der australischen KonsumentInnen halten den Verzehr von gentechnisch veränderten Pflanzen für unbedenklich.
  • In der bisherigen Gentechnik-Hochburg USA haben wiederholte Fälle von Verunreinigungen zu einem erhöhten Misstrauen der KonsumentInnen gegenüber Gentech-Lebensmitteln geführt. Nach einer Pew-Umfrage von 2006 sind US-BürgerInnen zwar kaum über das Vorhandensein von GVOs in Lebensmitteln informiert, sprechen sich aber strikt dagegen aus, dass diese in die Nahrungskette gelangen dürfen: 63 Prozent der Befragten, die eine Meinung hatten, lehnen Gentechnik in ihrem Essen ab.

Download

FS_Reis_Marktbericht.pdf
Gentech-Reis-Report - ZAHLEN UND FAKTEN aus dem Reis-Marktbericht
   126 K
rice-industry-in-crisis.pdf
Der vollständige Bericht in englischer Sprache
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