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Fragen und Antworten zu STRABAG und Mochovce
> 26.08.2009
Häufige Fragen und Antworten zu STRABAG und Mochovce

Am 26. August 2009 hat Greenpeace gegen den geplanten Ausbau des slowakischen Atomkraftwerks Mochove durch den  österreichischen Baukonzern Strabag protestiert. Umweltaktivisten haben ein Kühlturm-Transparent an der Firmenfassade befestigt.

Nachfolgend finden Sie häufige Fragen und Antworten rund um das Engagement des österreichischen Baukonzerns Strabag und Mochovce:

 

Was will Greenpeace?
Greenpeace will, dass die Strabag ihr Angebot, die Blöcke 3 und 4 des slowakischen Atomkraftwerkes Mochovce fertig zu bauen, zurückzieht. Die große Mehrheit der Österreicher und auch eine Mehrheit der Europäer lehnt Atomenergie ab, und dann ist es allzu zynisch, dass ausgerechnet eine österreichische Firma das Atomkraftwerk fertig bauen will.

 

Wie hat Greenpeace davon erfahren, dass Strabag Mochovce bauen will?
Greenpeace hat einen anonymen Brief von einer offensichtlich gut informierte Person oder Instanz erhalten. Darin sind Dokumente enthalten, die zweifelsfrei belegen, dass die Strabag das Kraftwerk fertig bauen möchte.

 

Aber kann Greenpeace nicht einfach mit der Geschäftsführung reden?
Wir haben Strabag-Geschäftsführer Hans-Peter Haselsteiner vor zwei Wochen in einem Brief gefragt, sich aus dem Ausschreibungsverfahren zurückzuziehen. Haselsteiner hat ein kurzes Mail zurückgeschrieben, dass er unsere Fragen nicht beantworten will, und dass er nicht auf unsere Forderung eingeht.

 

Was macht die Strabag dann genau falsch?
Die slowakische Strabagtochter ZIPP hat bei der Ausschreibung rund um die Fertigstellung der Blöcke 3 und 4 des Kraftwerkes Mochovce das bisher billigste Angebot gemacht. Normalerweise bedeutet das, dass sie den Zuschlag bekommen, und das Kraftwerk bauen dürfen.

 

Kann die Strabag sich überhaupt zurückziehen?
Ja, sie können ihr Angebot zurückziehen. Ob ein Ausstieg leicht oder schwer möglich ist hängt von den Vertragsbestimmungen ab, aber möglich ist es.

 

Aber wenn die Strabag aussteigt, kommt dann nicht eine andere Firma und baut das Kraftwerk?
Wahrscheinlich würde in dem Fall der bisher zweitbilligste Bieter den Zuschlag erhalten und das Kraftwerk fertig bauen dürfen. Aber immerhin erhöht dies die Kosten des Kraftwerkes, und je teurer es wird Atomkraftwerke zu bauen, desto schwieriger wird es, die Errichtung von neuen Kraftwerken zu finanzieren. Greenpeace setzt sich weltweit gegen Atomkraft ein und versucht auch weltweit die Finanzierung von Atomkraft zu erschweren. Ein Rückzug der Strabag wäre ein wichtiges Signal.

 

Aber ist es nicht besser eine österreichische Firma baut Mochovce, statt z.B. eine slowakisches Unternehmen?
Je weniger Baufirmen bereit sind, Atomkraftwerke zu bauen, desto schwieriger wird es, neue Atomkraftwerke zu errichten. Ein Ausstieg der Strabag wäre ein wichtiges Signal. Die Überprüfung der Qualität der Bauarbeiten selber ist aber Verantwortung der slowakischen Behörden und des Auftraggebers, und da spielt es prinzipiell keine Rolle welche Baufirma das Kraftwerk baut.

 

Was ist das Problem bei Mochovce?
Die Reaktoren sind vom Typ WWER 440-213, einem veralteten sowjetischen Reaktortyp aus den frühen 1970er Jahren. Sie werden gegen gängige Sicherheitsnormen keine Schutzhülle erhalten. Die Entscheidung, die Reaktoren zu errichten, basiert auf einem Beschluss der tschechoslowakischen Regierung aus dem Jahr 1986. Auch alle Sicherheitsbescheide und technischen Genehmigungen stammen von damals. Die aktuelle slowakische Regierung und die italienische ENEL halten an diesem Beschluss immer noch fest, obwohl es unter kommunistischer Herrschaft weder Umweltverträglichkeitsprüfungen noch Mitspracherechte für die Bevölkerung gegeben hat.

 

Gibt es jetzt eine Umweltverträglichkeitsprüfung?
Ja, unter anderem auf Druck von Österreich und von Umweltorganisationen wird es jetzt eine Umweltverträglichkeitsprüfung geben, obwohl das zuerst nicht vorgesehen war. Fraglich ist aber ob das Verfahren einen Unterschied machen wird, denn die Entscheidung, das Kraftwerk fertig zu bauen, steht ohnehin schon fest.

 

Aber wir importieren doch selber Atomstrom?
Stimmt leider. Österreich importiert immer mehr Strom aus den Nachbarstaaten, und somit auch Atomstrom. Greenpeace übt seit Jahren heftige Kritik an Unternehmen, die Strom von AKW-Betreiber kaufen, denn eine deutliche Mehrheit der Österreicher lehnt Atomenergie ab.

 

Aber moderne Atomreaktoren sind doch viel sicherer als früher?
Ja, die neuen Reaktoren sind sehr viel sicherer als die älteren. Aber bei Mochovce kann man nicht von modernen Reaktoren reden: das Design stammt aus den frühen 70er Jahren, und ist technisch überholt. Das wichtigste Problem ist das Fehlen einer Sicherheitshülle, die z.B. einen Flugzeugabsturz aushält. Ohne derartige Hülle kann es bei einem (gezielten) Absturz zu einer Katastrophe kommen.
Abgesehen davon: Sicherheit hat bei modernen Reaktoren wörtlich seinen Preis: solche Reaktoren sind so teuer, dass sie kaum wirtschaftlich zu betreiben sind. Atomenergie könnte zwar billig sein, man muss dann allerdings auf sehr viel Sicherheit verzichten. Um aber Atomenergie mit akzeptablen Sicherheitsstandards zu erzeugen, sind hohe Investitionen in Reaktorhüllen, mehrfache Sicherheitssysteme usw. erforderlich, dass es in einem freien Markt unwirtschaftlich ist. Solche Reaktoren können mit staatlicher Unterstützung betrieben werden.

 

Verursachen Atomreaktoren Strahlung?
Lange wurde geglaubt dass Atomreaktoren selber keine nennenswerte Strahlung verursachen. Es gibt aber eine neue Studie aus Deutschland, die zeigt dass es in der Nähe von deutschen Atomreaktoren vermehrt zu Leukämie bei Kindern kommt. Link zu der Studie: http://www.bfs.de/de/bfs/druck/Ufoplan/4334_KIKK.html

 

Brauchen wir die AKW nicht im Kampf gegen den Klimawandel?
Derzeit macht Atomenergie weltweit nur ca. 5% aus von der gesamten Energieaufbereitung. Um so viel Energie aus Atomenergie zu erzeugen dass es tatsächlich die Klimaänderung bremst, würde bedeuten dass anstelle der aktuell rund 440 Atomreaktoren zehn Mal so viel erforderlich wären. Dann stellt sich aber die Frage, woher das Uran stammen soll, denn die Vorräte sind begrenzt und reichen bei derzeitigem Verbrauch noch für ca. 60 Jahre. Theoretisch ist eine Wiederaufbereitung möglich, nur ist das erstens extrem teuer, und zweitens sehr gefährlich.

 

Wie schaut es mit Kernfusion aus?
Oft wird (seitens der Atomindustrie) behauptet dass Kernfusion die Lösung des weltweiten Energieproblems ist. Allerdings muss man sich hier bewusst sein, dass trotz mehr als 50 Jahre Forschung noch keine brauchbaren Ergebnisse vorliegen und nicht absehbar ist, wann sich dies ändern wird.

 

Ist die Atommüllfrage noch immer nicht gelöst?
Nein. Es gibt auf der ganzen Erde keine Lösung für Atommüll. Geeignete Endlagerstätten wurden bisher nicht gefunden, und andere Lösungen sind auch nicht in Sicht. Atommüll bleibt aber 10.000en Jahren gefährlich.

 

Was muss laut Greenpeace mit dem Atommüll passieren?
Greenpeace lehnt Atomenergie ab und sieht sich nicht verantwortlich dafür, die Müllfrage zu lösen. Eine grundsätzliche Lösung ist nur dafür zu sorgen, dass nicht mehr Müll anfällt.
Das löst aber die Frage nicht, was mit dem bestehenden Müll passieren soll. Greenpeace ist der Meinung, dass der Müll so gelagert werden soll, dass es Kontrolle darüber gibt, damit bei unvorhergesehenen Ereignissen die Möglichkeit geschaffen wird einzugreifen.

 

Kann Atomenergie eine Rolle spielen, den steigenden Strombedarf zu decken?
Es stimmt, dass der Strombedarf immer weiter steigt und das ist problematisch. Tatsächlich ist es bei Strom nicht so leicht möglich, viel Energie einzusparen, wie z.B. beim Verkehr oder durch bessere Wärmedämmung. Bei Verkehr und Wärmedämmung bieten sich viel mehr Möglichkeiten, um Treibhausgasemissionen ernsthaft zu reduzieren. Soll dies in Angriff genommen werden, muss man in erster Instanz bei diesen Sektoren ansetzen.
Aber auch in der Energieversorgung ist viel möglich: so haben Atom- und Kohlekraftwerke oft einen Wirkungsgrad von höchstens 30-50%, was also bedeutet, dass 2/3 der Energie verloren geht. Eine Lösung wären kleine, dezentralen Kraftwerke mit Kraftwärmekopplung und Fernwärmeproduktion, anstelle von riesigen Kraftwerken, die viel Energie verschwenden.

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