> Themen > Urwald > Agro-Treibstoffe
Agro-Treibstoffe als Waldzerstörer
„Bio“-Treibstoffe, die neue Bedrohung der Urwälder

Die steigenden und völlig unreflektierte Nachfrage nach "Bio"-Treibstoffen setzt Wälder und vor allem die letzten Urwälder der Erde einem zusätzlichen und rasch wachsenden Druck aus. Diese nächste Welle der Zerstörung könnte alle bisherigen übertreffen, denn die Gier nach Energie ist unersättlich.

 

Mehr über die bisherigen Bedrohungen der Wälder, die die Waldflächen vor allem im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts drastisch schrumpfen ließen,  finden Sie hier.

 

Waldzerstörung in Amazonien

Der Boom zu grünem Öl, bei uns als „Bio“-Treibstoff bekannt könnte in den nächsten Jahren die gesamte bisherige Waldvernichtung in den Schatten stellen.
Neue Bedrohungen der Wälder durch die Gier nach „grünem“ Öl
Bio = ökologisch? Stimmt meistens NICHT bei Bio-Treibstoffen
Klimaschutz durch Waldzerstörung ist der falsche Weg
Hunger und Artenvielfalt weniger wichtig als die Gier nach Öl?
Nahrungsmittelpreise für die Armen steigen durch den "Bio"-Treibstoff-Boom
Neue Bedrohungen der Wälder durch die Gier nach „grünem“ Öl

Greenpeace-Aktion: Heißluftballon mit der Aufschrift "Save the Climate" warnt vor den Folgen des Klimawandels!

Die Wälder werden von den Temperaturanstiegen aufgrund des Klimawandels, der zu einem großen Teil auf die Verbrennung fossiler Treibstoffe zurück zu führen ist, massiv bedroht. Szenarios warnen vor einer Kombination aus Temperaturanstieg und dem Rückgang der Niederschläge in Amazonien. Innerhalb von Jahrzehnten stünde die Existenz des gesamten Ökosystems auf dem Spiel. Der Trocken-Katastrophe 2006 könnte da nur ein sanfter Vorgeschmack gewesen sein.

 

Leider stellt einer der Versuche den Klimawandel aufzuhalten eine riesige Gefahr für die Wälder dar! Der Boom zu grünem Öl, bei uns als "Bio"-Treibstoff bekannt könnte in den nächsten Jahren die gesamte bisherige Waldvernichtung in den Schatten stellen. Die Nachfrage nach den so genannten "Bio"-Treibstoffen steigt in Europa und den USA rasant an. Weltweit gehen die Biokraftstoffproduzenten an die Börse. Das globale Geschäft mit Biodiesel verspricht Milliardengewinne.

 

[nach oben]
Bio = ökologisch? Stimmt meistens NICHT bei Bio-Treibstoffen

Der Begriff "Bio" spiegelt besondere Umweltverträglichkeit vor. Doch "Bio" steht in diesem Zusammenhang nur für "biogen", also statt aus fossilen Quellen von Lebewesen abstammend. Es sagt nichts über die ökologische Verträglichkeit dieses Treibstoffes.


In der industriellen Landwirtschaft wird viel Energie in Form von Dünger, Spritzmittel und Erdöl für den Antrieb der Maschinen eingesetzt, die alle ihre Treibhauswirkung haben. Der Netto-Energiegewinn und damit die Ersparnis an Treibhausgasen ist oft recht bescheiden und kann die ökologischen Folgen meist nicht aufwiegen.

 

[nach oben]
Klimaschutz durch Waldzerstörung ist der falsche Weg

Greenpeace-Aufschrift am Gletscher: "Climate Change powered by BP, Esso, Shell"

Greenpeace-Aktion am Gletscher

Aber die Verpflichtungen zur Reduktion des Treibhausgases CO2 im Rahmen
des Kyoto-Protokolls lassen die scheinbar CO2-neutrale Energiequelle Biomasse für die Politik trotzdem attraktiv erscheinen. Eine neue EU-Richtlinie verlangt beispielsweise, dass konventionellem fossilen Treibstoff ab 2012 verpflichtend 5,75% Biokraftstoff beigemischt wird!


Das ist eine Menge, die die allermeisten Länder unmöglich selbst produzieren können. Auch Österreichs Umweltminister Pröll fordert als relevante Klimamaßnahme laufend den verstärkten Einsatz von "Bio"-Treibstoffen.

Entsprechend werden schon heute für Zuckerrohr- und Sojaplantagen in
Südamerika oder Palmölplantagen in Malaysia und Indonesien große Flächen Urwald gerodet.
In Borneo etwa sind 3 Millionen Hektar zusätzlicher Palmölplantagen beschlossene Sache. Der Urwald muss weichen. Dabei sind Indonesien und Malaysia schon heute Marktführer bei Palmöl. Ihr wichtigster Abnehmer ist die EU. Zukünftig sollen etwa 40% des Palmöls in die Treibstoff-Produktion gehen.

 

[nach oben]
Hunger und Artenvielfalt weniger wichtig als die Gier nach Öl?

In Brasilien baut man gerade die erste Biodieselfabrik. Das Soja-Öl wird zu Sprit, der Presskuchen zu Futtermittel verarbeitet. Der Fleischhunger und der Spritdurst der Reichen können so gleichzeitig bedient werden. Da kann auf die Interessen der hungernden Bevölkerung oder der Artenvielfalt kaum Rücksicht genommen werden.


Im Jänner 2007 wurden im brasilianischen "Soja-Bundesstaat" Mato Grosso wurden 27.000 Hektar des Cristalino State Parks zu kommerzieller Nutzung umgewidmet. Der Cristalino Park ist ein Juwel der Artenvielfalt und ein beliebtes Ziel für Öko-TouristInnen. Die Aufhebung des Schutzstatus ein gefährlicher Präzedenzfall. Wenn die auch andernorts die kurzfristig lockenden Gewinne für Holzfäller und Sojabarone mehr zählen als der Schutz von Artenvielfalt und Weltklima. Mehr dazu finden Sie hier.

 

[nach oben]
Nahrungsmittelpreise für die Armen steigen durch den "Bio"-Treibstoff-Boom

Obwohl Biokraftstoffe weniger als 1% (Stand 2005) des weltweiten Ölbedarfs decken, hat der Hunger nach Öl die Preise für Speiseölsaaten bereits nach oben getrieben. Die Preise für Rapssaat sind um 25 % gestiegen. Im Überschussland USA wurde Mais 2006 wegen der Ethanolproduktion fast zur Mangelware, der Preis stieg um 25%! In Mexiko kam es bereits zu den ersten Unruhen als der Preis für das Grundnahrungsmittel Mais wegen der Nachfrage für die Energieproduktion stark anstieg.

 

Der Preis für die Biokraftstoffe wird weiter steigen, und damit nicht nur der Druck auf die Natur sondern auch auf die hungernden Menschen. Schon heute gibt es einen Wettbewerb zwischen Lebensmitteln und Energie. Im Wettlauf mit dem Hunger der Armen werden die reichen Autofahrer immer die Nase vorne haben. Von dem Getreide, das für eine Tankfüllung Ethanol nötig ist, kann ein Mensch ein ganzes Jahr leben.

 

Zur ökologischen Verödung kommt die soziale Verwahrlosung ganzer Regionen. Holzdiebe und Soja-Barone schrecken auch vor Mord nicht zurück, wenn es um das Loswerden unbequemer Kritiker geht.

 

[nach oben]

Greenpeace Baum-Patenschaft
© Greenpeace