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Max, Aktivist

"Auch im Alter noch etwas für die Umwelt tun ..."

Max Rottenberg

Max Rottenberg starb am 7. Jänner 2008 im Alter von 90 Jahren. Er war seit mehr als 10 Jahren für Greenpeace aktiv. Lange Zeit als Kontaktperson, Projekt-Koordinator und Bindeglied zwischen Schulen und Greenpeace.
In den letzten Jahren unterstützte er die Arbeit im Greenpeace-Büro und war auch ein sehr gern gesehener Gesprächspartner für viele KollegInnen. Er hatte ein reiches und bewegtes Leben, es war spannend, ihm zuzuhören, und viele von uns nutzten die Möglichkeit, sich mit ihm auszutauschen.
Aufgrund seiner Arbeit als Pädagoge hat ihn ganz besonders die Greenpeace-Arbeit mit Kindern und Jugendlichen interessiert. Arbeiten in diesem Zusammenhang waren ihm am liebsten.
Aufgrund verschiedener Umstände – längere Krankheit meinerseits und Greenpeace-Büro-Umzug - konnten wir seinen 90. Geburtstag im vergangenen Jahr nicht mit ihm feiern - das wollten wir beim 91er nachholen ... Das neue Büro und den für ihn vorgesehen Schreibtisch hat er noch besichtigt, seine Mitarbeit konnte er im neuen Büro nicht mehr beginnen.
Wir vermissen ihn, seine Erzählungen und Fragen, seine liebenswerte Art, einfach seine Anwesenheit im Büro.
Sylvia Ehrenreich

 

Nachrufe:

So alt werden …

Ich kannte Max Rottenberg nur im letzten Jahrzehnt seines Lebens und somit nur als alten Menschen. Alt auf eine sehr positive und vorbildhafte Art für mich – im Sinne von angekommen, von weise, von versöhnt.
Und dann bekam ich irgendwann die Gelegenheit, mich lange mit ihm über sein Leben zu unterhalten. Ich suchte Eckdaten für ein einseitiges Portrait im Greenpeace-Mitgliedermagazin "act" und erhielt eine unglaubliche Lebensgeschichte – facettenreich, schillernd, entsetzlich nah an den Schrecken des 20. Jahrhunderts aber auch an den Zeiten den Aufbruchs.
Als ich Max kennen lernte, erledigte das angesehene Mitglied der jüdischen Gemeinde, der unermüdlichen Kämpfer für eine andere Schule, der vielfache Vater und Großvater, einfache Schreibtischarbeiten bei Greenpeace. Weil es für eine gute Sache war. Und weil er sich gerne mit jungen Leuten umgab. Unprätentiös, uneitel, humorvoll. So will ich alt werden. Danke, Max!

Roman Kellner

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Max Tod betrübt mich sehr, für mich war Max eine der tollsten Menschen, die ich die Ehre hatte (und immer noch habe) kennen zu lernen. Soviel Leben, soviel Lebensweisheit, soviel erduldet und doch mit erhobenem Haupt (und Geist) zu leben hat mich immer beeindruckt.

Ein Mensch, bei dem ich das Wort "Vorbild", so oft mißbraucht, so oft benutzt, aus vollem Herzen rausschreien möchte.

Wenn ich so reif werden kann wie Max, dann habe ich ein gutes Leben gelebt.

Möge er in Frieden ruhen, und in uns weiterleben.

Adieu Max!

von Thomas Wuchterl

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Lieber Max,
du hast viele Jahre auf deine ruhige und unaufdringliche Art bei uns geholfen.

So nach und nach in den Kaffepausen, beim Essen, usw. hast du von deinem Leben erzählt. Dass du 1938 vor den Nazis fliehen musstest, von deiner Rückkehr nach Wien, der Arbeit als Lehrer, dem Schulprojekt, das du als Direktor geleitet hast, ...

Es war beeindruckend dich zu erleben, und vielleicht am beeindruckendsten: trotz aller schlimmen Dinge, die du erlebt hast, war kein Hass zu spüren.
Im Gegenteil, du warst ein warmherziger, freundlicher, offener Mensch. Bei dir war zu spüren, dass alt werden viel mit Weisheit, Gelassenheit und Großzügigkeit zu tun hat. Der Ursprung deines Namens kommt vom lateinischen "maximus", das bedeutet "großer" bzw. "der größte". Max, dieser Name hat zu dir gepasst. Du warst ein wirklich großer Mensch.

Ich bin froh, dass ich dich kennenlernen durfte.
Danke für alles!

Irmi Egger

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Mir fielen natürlich sehr viele Dinge ein, auch Dinge, die mich und einige andere sicher sentimental werden lassen würden.
Oft hat er aber (mir zumindest...) Lieder von Heinrich Heine vorgesungen. Weil die ihm so gut gefielen, und er ein großer Fan war. Es gibt sehr viele schrecklich traurige Lieder und Gedichte von ihm, in vielen davon geht es um den Tod. Es gab ein Lied, das er mir öfter vorgesungen hat. Leider weiß ich den Titel nicht mehr, sosehr ich auch darüber nachdenke.
Deswegen habe ich Max ein schönes Gedicht von Hermann Hesse gewidmet, das (so finden ich und Lena) auch an ihn erinnert.

Wie jede Blüte welkt
und jede Jugend dem Alter weicht,
blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in and're, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten!
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt,
so droht Erschlaffen!
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewohnheit sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen senden:
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
(Hermann Hesse)

Bianca Müller, 20, seit 4 Jahren als Volunteer im Greenpeace-Büro

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Ich erinnere mich, dass ich in meiner anfänglichen Zeit bei Greenpeace ab und zu gemeinsam mit Max zu Mittag aß, als es noch ein gemeinsames Mittagessen in der Bibliothek gab. Und ich hatte das Vergnügen, seinen Erzählungen zu lauschen und ein bisschen aus seinem langen und ereignisreichen Leben zu erfahren. Er hat mich mit seiner Geschichte, seiner Bescheidenheit und seinem unermüdlichen Engagement für Greenpeace sehr beeindruckt – am meisten hat mich seine immer freundliche Art berührt. Persönlichkeiten wie ihn gibt es nicht viele – ich bin sehr froh, ihn kennen gelernt zu haben.

Barbara Schindler, ehem. Fundraising

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In den 6 Jahren, die ich Max kennen durfte, habe ich nur wenige Menschen getroffen, die so bescheiden aus dem Inneren geleuchtet haben wie Max . Jedes Mal wenn ich ihn sah, hatte ich das Gefühl ich begegnete einem Stück Zeitgeschichte und gleichzeitig auch der Hoffnung, dass es Menschen gibt, die selbst das Schrecklichste überleben. Und das gibt Hoffnung für die Zeiten, die noch kommen werden...

Franko Petri, ehem. Pressesprecher

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Max ist tot. Er war ja schon alt, als ich ihn kennengelernt habe - wie alt? keine Ahnung, alt halt. Und trotzdem gar nicht alt. Wir waren gerade in dem dynamischen "wir sind jung genug, um die Welt retten zu können"- Alter. Dieses "vorwärts, packen wirs an, etwas muss weitergehen" - Alter. So zwischen 30 und 40. Das Alter, wo uns Max mit seinen damals 75 bis 80 -ich weiß es wirklich nicht mehr genau (alt halt) uns wirklich und wahrhaftig sehr alt vorgekommen ist. Ein Kollege hat ihn uns vorgestellt. Ob wir nicht etwas zu tun hätten für ihn. Er wäre der Vater eines Bekannten, der nicht ausgelastet ist. Geistig fit und so, er wolle sich halt noch nützlich machen. Und dann war er dann da - und wir haben ihm halt was "zu tun" gegeben. Etwas, von dem wir geglaubt haben, dass er das wohl grade noch schafft - alt wie er ist. Im kleinen Zimmer mit drei Leuten, da wurden wir redselig und neugierig. Da haben wir ihn gefragt. Was man halt so fragt, wenn man höflich Konversation machen will. Schnell haben wir dann nur mehr zugehört, dem was er zu sagen, zu erzählen hatte. Nicht nur was - auch wie. Die schöne, gewählte Ausdrucksweise, die angenehme Stimme. Das Interesse, mit dem er allem Neuen "Modernen" begegnet ist.: "Ich hab mir einen Laptop gekauft, damit ich mit meinen Kindern im Ausland Kontakt per Email halten kann. Eine tolle Sache". "Ich schreibe jetzt meine Erinnerungen auf, natürlich am Computer. Und die Dateien werden verschlüsselt".

Bald war uns klar, dass er uns an Jugend und Dynamik um nichts nachsteht. Er wurde für uns zum Vorbild - wenn wir alt werden, dann auch so und nicht anders. Wir wollten auch nicht mehr auf seine Gesellschaft verzichten, haben uns dann aber schon für die wenig anspruchslose Tätigkeit, die wir ihm bieten konnten entschuldigt. Ihm war das egal - er wollte an unserem Leben an unserem Tun teilhaben. Er war dann ein fixer Bestandteil unseres Teams und wir wurden nervös, wenn wir keine Arbeit für ihn finden konnten. Bei der Weihnachtsfeier habe ich ihn dann zum Abschied auf beide Wangen geküsst. Im Jahr darauf, feierte ich meinen Abschied - Max hat sich vor mich hingestellt, und gemeint, er wäre nur gekommen, um sich wieder zwei "Busserln" abzuholen, weil: so junge Frauen (ich war 45) küssen ihn nicht mehr so oft.

Lieber Max - ich schick dir heute wieder zwei Busserln und danke dir von ganzem Herzen, dass du mir und vielen Anderen gezeigt hast, wie schön und bereichernd es sein kann, älter zu werden und alt zu sein.

Susanne Schreiber


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Kurze Biografie:

Dieses Leben auf einer einzigen Seite? Nicht mehr als ein Versuch. Max wurde 1917 als Sohn jüdischer Eltern in Wien geboren. Zehn Jahre später traf er in der Hauptschule seinen damaligen Lehrer Oskar Spiel. Der Pädagoge gehörte zum Kreis um Alfred Adler, Begründer der Individualpsychologie. In verschiedenen Schulversuchen wandte Spiel die individual-psychologische Methode an. Bei Max weckte der Reformer den Wunsch, „in dessen reformatorischen Sinne Lehrer zu werden".

Doch zunächst kam der Krieg dazwischen. Im April 1938 begann eine abenteuerliche Flucht über Italien und Paris nach Palästina. Einen großen Teil seiner Familie hat Max nie wieder gesehen. Seine Mutter wurde im KZ Theresienstadt ermordet.

Nach drei Jahren in einem Kibutz meldete sich der 25jährige 1942 bei der englischen Armee und nahm unter Montgomery am Feldzug gegen Rommel teil. Beim Einmarsch der Alliierten in Wien war Max in englischer Uniform dabei und lebte in seiner Heimatstadt über ein Jahr lang als englischer Besatzungssoldat. Ab 1947 konnte er endlich tun, was er immer schon angestrebt hatte: Lehrer sein. Und immer wieder fand er sich in Versuchsprojekten und Reformschulen wieder.

Zehn Jahre unterrichtete Max Deutsch und Geschichte an einer Hauptschule, deren Direktor Oskar Spiel war. Dazu übte er die neu geschaffene Funktion des Erziehungsberaters aus. 1970 übernahm er den Direktorsposten einer „integrierten Gesamtschule": auch das wieder ein Schulmodell, das über zwölf Jahre erfolgreich lief. Es war ein Schultyp für zehn- bis vierzehnjährige mit verschiedenen Leistungsgruppen, Förder- und Stützkursen, sodass Schüler jeder Begabung gefördert wurden. In einer Umfrage hatten damals achtzig Prozent der Schüler angegeben, gern in die Schule zu gehen. Doch schließlich wurden die "pädagogischen Anliegen parteipolitisch abgewürgt".

„Ich kann sagen, dass ich beruflich wirklich glücklich war". Er erzählte von dem „Team sehr junger und aufgeschlossener Lehrer", für die er „eine Art Vaterfigur" war. „Es war ein Vergnügen, vielleicht bin ich deshalb jetzt bei Greenpeace". Zwar lief der Versuch nach zwölf Jahren aus, doch Max sieht auch viel Positives: "Seither ist viel passiert. Das Teamdenken hat zugenommen, Selbstherrlichkeit sowie Prestigedenken bei Lehrern haben abgenommen."

1983 ging Max, Vater von fünf Kindern und auch Großvater von sechs Enkeln, schließlich in Pension und begann sogleich einen neuen Abschnitt: Er inskribierte Zeitgeschichte und Judaistik. 1992 stellte seine Tochter, die Schuldirektorin geworden war, den Kontakt zu Greenpeace her. "Ich habe mir gedacht, dass ich als freiwilliger Mitarbeiter etwas tun möchte gegen die Zerstörung der Regenwälder oder die Gefahren der Atomkraft."

Greenpeace zeigte damals Multivisionsshows zu verschiedenen Umweltthemen an Schulen. Max übernahm die Koordination mit den Lehrern und Direktoren. Die Kontakte hatte er ja. „Ich war ein pädagogisches Zwischenglied zwischen Greenpeace und Schulen in fast allen Bundesländern. Es verschaffte mir innere Befriedigung, gleichzeitig tat ich mit dieser Tätigkeit etwas gesellschaftlich und für die Umwelt Wichtiges."

Er kämpfte ein wenig mit seiner Gesundheit. Vor allem das Hörgerät „beeinträchtigt die Lebensqualität schon sehr". Doch Pessimismus passte so gar nicht zu Max. Gerade erst hatte er sich ein Notebook gekauft und stand in regem E-Mail-Kontakt mit Freunden in New York, Israel und England.

 

 

 

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