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Soja
Der Sojaanbau in Südamerika boomt

Bauer mit einer Hand voll Sojabohnen.

Die hohe Nachfrage nach Agrosprit in Europa ist für die Urwaldzerstörung verantwortlich.

Immer mehr Urwälder werden abgeholzt, um Platz für gigantische Sojaplantagen zu schaffen. Verantwortlich dafür ist vor allem die hohe Nachfrage nach so genanntem "Bio-Sprit" in Europa. Österreich zwingt durch die bestehende Beimischungspflicht Mineralölkonzerne, den Diesel mit Pflanzen-Diesel zu versetzen. Zusätzlich wurde das Mineralölsteuergesetz geändert. Ab einem Biodiesel-Anteil von 4,4 % wird steuerlich gefördert. Dies führte dazu, dass an den heimischen Tankstellen nur mehr beigemischter Diesel angeboten wird. Da es aber nicht ausreichend einheimischen Raps gibt, um den Bedarf zu decken, greifen die Ölkonzerne auf andere Agro-Diesel zurück - mit fatalen Folgen für das Klima.

Mehr Infos zum Thema:

Die Klimabilanz von Agro-Diesel aus südamerikanischem Sojaöl
Herkunft des Sojadiesels
Anbau und Verwendung von Soja
Agro-Dieselherstellung in Argentinien
Auswirkungen des Sojabooms in Argentinien
Auswirkung des Sojabooms in Brasilien
Greenpeace fordert:
Die Klimabilanz von Agro-Diesel aus südamerikanischem Sojaöl

Brandrodung in Argentinien.

Beim Anbau der Pflanzen und der Herstellung des Kraftstoffs fallen große Mengen von klimaschädlichen Treibhausgasen an.

Die Begründung für den Einsatz von Sojaöl als Agro-Sprit lautet: der Einsatz verringert den Ausstoß an klimarelevanten Gasen. Die Vorstellung vom klimaneutralen Biosprit basiert häufig auf einer Milchmädchenrechnung: Richtig ist, dass bei der Verbrennung im Automotor nicht mehr Kohlendioxid frei wird, als die Pflanze aufgenommen hat. Doch beim Anbau der Pflanzen und der Herstellung des Kraftstoffs fallen große Mengen von klimaschädlichen Treibhausgasen an. Düngemittelherstellung, Stickstoffverluste, der Einsatz von Traktoren und Erntemaschinen setzen Kohlendioxid frei, die Ernteprodukte müssen transportiert und weiterverarbeitet werden, ehe sie als Kraftstoff eingesetzt werden können.

 

Die Klimabilanz eines Treibstoffs muss also den gesamten Produktionsprozess von A bis Z einbeziehen, vom Anbau bis zur Zapfsäule. Ganz wichtig sind dabei die Auswirkungen von Landnutzungsänderungen, also der Umwandlung von Wald oder Weiden in Ackerland.

 

Gegen Agro-Diesel aus Sojapflanzen spricht neben der geringen Energieeffizienz vor allem der hohe Flächenverbrauch: Pro Hektar Sojafläche werden nur rund 502 Liter Kraftstoff erzeugt. Zum Vergleich kann man mit Raps bereits 1.550 Liter je Hektar erzielen. Um also ein Auto (mit einer Fahrleistung von 15.000 km  und einem Spritverbrauch von 8 Litern) ein Jahr fahren zu können, müssten demnach 2,4 Hektar Soja angebaut werden. Für diese Anbaufläche wird zusätzliches Ackerland benötigt. Im Falle Südamerikas wird es entweder durch Umbruch von Grünland oder durch Brandrodung gewonnen. Beides verursacht einen enormen Ausstoß an Klimagasen.

 

Im Science Magazin stellte Joseph Fargione von der Umweltorganisation The Nature Conservancy im Januar 2008 folgendes fest: Regenwald im Amazonas, der in Soja-Plantagen umgewandelt wird, setzt über 300 Mal mehr Kohlendioxid frei, als der Agro-Sprit pro Jahr einspart.  

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Herkunft des Sojadiesels

Sojabohne

In den USA wird die Verarbeitung von Sojaöl zu Soja-Diesel staatlich subventioniert.

Die genaue Herkunft ist weithin unbekannt, da es bis zum vergangenen Jahr keine Auskunftspflicht der Händler gegenüber dem Zoll gab. Vermutlich stammt der überwiegende Teil von Soja-Diesel aus den USA und Argentinien. Experten schätzen, dass im Jahr 2007 rund 900.000 Tonnen Soja-Diesel in die EU importiert wurden.

 

Preislich ist raffiniertes Sojaöl als Ausgangsprodukt gegenüber Rapsöl um etwa 70 Euro/t günstiger. In den USA wird die Verarbeitung von Sojaöl zu Soja-Diesel staatlich subventioniert. Der Hersteller erhält diese Gutschrift aber nur, wenn er den Agro-Diesel dem fossilen Diesel beimischt. (Blenders credit). Daraus hat sich die Praxis entwickelt, dass die Hersteller in den USA 99 Anteile Agro-Diesel mit einem Anteil fossilem Diesel vermischen und hierfür dann 99 Cent je Gallone erhalten, das entspricht etwa 18 Cent je Liter.

 

Außerdem können die amerikanischen Exporteure durch das "Blending" den europäischen Außenzoll für Biodiesel von 6,5 Prozent umgehen, so dass letztendlich die Ware aus Übersee günstiger ist als Agro-Sprit aus europäischer Rapserzeugung ohne Steuervergünstigung.

 

Im Jahr 2007 wurden 80 Prozent des argentinischen Soja-Diesels in die USA verschifft, obwohl dort kein Absatzmarkt vorhanden war. Die Förderung der Soja-Dieselherstellung durch Verschneidung in den USA führt dazu, Soja-Sprit aus Südamerika zunächst in die USA zu liefern, um dort den Agro-Sprit mit fossilem Diesel zu verschneiden und per Schiff weiter nach Europa zu bringen. Die Subventionen machen dieses Dreiecksgeschäft lukrativ.

 

Der US Markt wird voraussichtlich mit Ablaufen der Beimischungsförderung Ende 2008 uninteressant. Experten vermuten, dass die derzeit ausgebauten Biodiesel-Verarbeitungsanlagen in Argentinien in Zukunft direkt für den europäischen Markt produzieren werden.  

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Anbau und Verwendung von Soja



Wichtigster Versorger der europäischen Ölmühlen ist seit einigen Jahren Brasilien.

Die Sojabohne enthält etwa 20 Prozent Öl. Dieses Öl wurde in der Vergangenheit vor allem in der Lebensmittelindustrie verwendet. Ähnlich wie Rapsöl kann aber auch Sojaöl durch Veresterung (Zugabe von Methylen und Abspaltung des Glycerins) zu Sojamethylester (SME), also  zu Agro-Diesel verwandelt werden. Soja-Diesel (SME) kann - genauso wie Agro-Diesel aus Raps - in fossilem Diesel beigemischt oder auch unvermischt eingesetzt werden. Sojaöle sind im Vergleich zu Rapsölen bei niedrigen Temperaturen etwas dickflüssiger.

 

Hauptanbauländer von Soja sind (2007/2008) die USA (71,3 Mio. t), Brasilien (61 Mio. t) sowie Argentinien (47 Mio. t).  Während der Anbau in den USA in den vergangenen Jahren rückläufig ist, nimmt der Anbau in Südamerika rasch zu.

 

Wichtigster Versorger der europäischen Ölmühlen ist seit einigen Jahren Brasilien. Argentinisches Soja wird hingegen im eigenen Land gepresst, um danach das Öl wie auch das Sojaschrot zu exportieren. Politisch wird dies durch unterschiedlich hohe Exportzölle gesteuert. So erhebt der Staat in Argentinien auf den Export von Sojabohnen eine Steuer von 35 Prozent, der Export der verarbeiteten Produkte wird hingegen mit nur 24,5 Prozent besteuert.

 

In Argentinien werden aktuell 7,2 Mio. t Sojaöl hergestellt, von denen 6,4 Mio. t exportiert werden. Zum Vergleich sind es in größeren Soja-Produktionsländern weitaus geringere Exporte; in Brasilien 2,2 Mio. t, in USA 0,6 Mio. t.  Produziert wird das Sojaöl in rund 50 Anlagen. Hauptimporteure von Sojaöl sind China, Indien und die Europäische Union. Über 90 Prozent der Ernte werden exportiert, davon sind 98 Prozent gentechnisch verändert. Argentinisches Sojaöl wird in Europa kaum in Lebensmitteln eingesetzt, da es kenn-zeichnungspflichtig ist.

 

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Agro-Dieselherstellung in Argentinien

2007 hat Argentinien mit der Herstellung von signifikanten Mengen Soja-Diesel begonnen. Die Jahresproduktion wird für 2007 auf 200 Millionen Liter geschätzt. 2008 wird mit der vierfachen Menge (800 Mio. Liter) gerechnet, wenn die bestehenden Anlagen sowie die in Planung und Bau befindlichen neue Anlagen mit voller Auslastung laufen.

 

Der Biodiesel aus diesen Fabriken soll fast ausschließlich exportiert werden. Die Amerikanische USDA schätzt, dass bis 2010 die Produktion auf 2 Mrd. Liter pro Jahr ansteigen wird. Der Großteil der argentinischen Verarbeitungsstätten entsteht in der Region um die Stadt Rosario am Fluss Parana. Dort existiert bereits heute die höchste Konzentration an Ölmühlen und Verladestellen weltweit. Die neu entstehende Biodieselindustrie wird daher auch von Sojahändlern und Verarbeitern wie Bunge und Dreyfuss betrieben.

 

Der Umstand, dass Sojaöl und Sojaschrot mit 24,5 Prozent Exportsteuer belegt sind, macht es für die Sojaindustrie in Argentinien besonders interessant ins Agro-Dieselgeschäft einzusteigen, wo die Exportsteuer nur fünf Prozent beträgt und gleichzeitig 2,5 Prozent Exportrabatte bestehen.

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Auswirkungen des Sojabooms in Argentinien


In Argentinien erfolgte die Ausdehnung des Sojaanbaus in den vergangenen Jahren drastisch und unkontrolliert. Während sich 1971 der Anbau noch auf 37.000 Hektar beschränkte, sind es heute 14,2 Mio. Hektar – alleine in den vergangenen zehn Jahren ist die Fläche um 150 Prozent gestiegen! Über 1 Mio. Hektar Wald – fast 25 Mal die Fläche Wiens  – sind allein in den vergangenen vier Jahren der Ausbreitung des Soja-Anbaus zum Opfer gefallen. Nur in der Provinz Salta sind erst vor wenigen Monaten durch den scheidenden Gouverneur weitere 500.000 Hektar Wald zur Abholzung freigegeben worden.
Die Folgen des Sojaanbaus sind überall sichtbar: Grünland, häufig humusreiche Feuchtweiden, werden umgebrochen und in Ackerflächen verwandelt. Im Norden Argentiniens wurden zudem große Teile des Chaco-Waldes vernichtet, um Agrarbetriebe anzusiedeln.

 

Der argentinische Chaco ist eine flache Buschsavannenlandschaft. Während der Osten feucht ist und landwirtschaftlich intensiv genutzt wird, hat der Westen im Winterhalbjahr eine lange Trockenperiode mit häufigen Dürren. Der so genannte "Nebelwald" Yungas – ein Gebirgsregenwald – und der Gran Chaco-Wald bilden nach dem Amazonas gemeinsam das zweitgrößte Waldgebiet auf dem südamerikanischen Kontinent. Sie beheimaten seltene Tierarten wie den Jaguar, der bereits vor der Ausrottung steht.

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Auswirkung des Sojabooms in Brasilien



Der Amazonas-Regenwald ist der größte tropische Urwald der Erde. Er ist nicht nur Lebensraum von Menschen, Tieren und Pflanzen, sondern reguliert auch das Klima, reinigt die Luft, filtert Wasser und verhindert Erosion. Doch wo einst dichtes Grün wucherte, erstrecken sich jetzt riesige Soja-Felder von oft mehreren tausend Hektar. Soja wird als Tierfutter für Geflügel, Schweine oder Kühe und als Ausgangsstoff für Agro-Diesel nach Europa exportiert.

 

Die Soja-Produktion Brasiliens hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. Seit 2005 ist Brasilien die Nummer eins unter den Soja exportierenden Ländern; gefolgt von den USA und Argentinien. Im Wirtschaftsjahr 2007/08 wurden in Brasilien Sojabohnen auf einer Anbaufläche von fast 21,3 Millionen Hektar geerntet, einer Fläche größer als die Fläche von Österreich, Tschechien und Slowakei zusammen.

 

Die größten Getreidehändler der Welt stimmten im Juli 2006 einem zweijährigen Moratorium zu.  In diesem verpflichten sie sich, keine Soja von neu gerodeten Flächen zu kaufen oder zu verkaufen. Über 90 Prozent der brasilianischen Soja wird von diesen Firmen gehandelt. Trotzdem wurde zwischen August und Dezember 2007 erneut eine Fläche von 2,4 Millionen Hektar Urwald für die geplante landwirtschaftliche Nutzung zerstört – dies entspricht in etwa der Fläche von Oberösterreich und Tirol zusammen.

 

Steigende Preise für Agrargüter treiben Farmer zu immer weiteren, meist illegalen Brandrodungen. Die brasilianische Regierung hat kein schlüssiges Konzept, um dieser Praxis effektiv entgegen zutreten. Neue Untersuchungen zeigen jedoch, dass die frisch gerodeten Flächen brach liegen. Ein Erfolg des Soja-Moratoriums. Dies ist jedoch nur ein kleiner Schritt zum Schutz des Regenwaldes. Um langfristig und dauerhaft den Artenreichtum des Amazonas-Gebiets zu erhalten, muss Brasilien geeignete Maßnahmen einführen und die dafür notwendigen Ressourcen bereitstellen. Welche Schritte dafür nötig sind, beschreibt Greenpeace zusammen mit acht anderen NGOs in dem Report "Zero deforestation in seven years".  Die große Nachfrage nach Soja-Diesel und der damit einhergehende Druck, weitere Teile des Amazonas-Regenwaldes als Sojaplantage zu nutzen, gefährdet diese wichtige und viel versprechende Arbeit rund um das Soja-Moratorium in Brasilien.

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Greenpeace fordert:

  • Eine Abschaffung des Beimischungszwangs von Agro-Sprit in Österreich und der EU
  • Ein sofortiges Ende der Abholzung aller noch intakten Urwälder
  • Das Etablieren von Nachhaltigkeitsstandards für die Produktion von Agro-Sprit sowie Lebens- und Futtermittel, die den Namen verdienen

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