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Rio Mare-Tunfischdosen werden „halb-nachhaltig“ – reicht das?

Es tut sich etwas in unserer Kampagne für mehr nachhaltigen Dosentunfisch: Das Unternehmen Bolton Alimentari, bei uns durch die Marke Rio Mare bekannt, hat vor wenigen Tagen seine neue Nachhaltigkeitspolitik für Tunfisch veröffentlicht. Bolton gehört weltweit zu den größten Tunfischdosen-Herstellern. Ein Fortschritt? Ja, aber nur ein kleiner.

Bis 2013 will Bolton laut seiner neuen Nachhaltigkeitsstrategie 45 Prozent des Tunfisches für Dosen mit nachhaltigen Fischereimethoden fangen, also mit Angelrute & Leine (engl. ‚Pole & Line‘) oder Ringwaden ohne sogenannte Fischsammler (engl. ‚Fish Aggregation Devices‘, FAD). Denn es sind vor allem die weitverbreiteten Fischsammler, die dazu führen, dass beim Tunfischfang Unmengen an Beifang getötet werden – Haie, Schildkröten, Jungfische vom Aussterben bedrohter Tunfischarten (wie Großaugentun) und auch jene Fischarten, die uns alle aus „Findet Nemo‘ bestens bekannt sind. Mit rund 16% Marktanteil ist Rio Mare hinter Vier Diamanten die zweitgrößte Tunfischmarke in Österreich. Für uns ist diese Entwicklung also ein guter Schritt voran – aber dabei darf es nicht bleiben. Ziel muss sein, dass wir alle nur noch 100-prozentig nachhaltige Tunfischdosen im Regal finden. Denn aus gutem Grund gibt es schließlich auch keine „45%-Bio“-Produkte im Supermarktregal!

Das Bolton überhaupt ein Bekenntnis zu ‚Fischsammler-frei‘ gefangenem Tunfisch  abgegeben hat, ist ein direktes Ergebnis unserer Greenpeace-Kampagnenarbeit im letzten Jahr, vor allem in Italien und Österreich, der Schweiz und Kanada. Dennoch: Andere Hersteller gehen inzwischen viel weiter. Bolton wurde bei der langen Erarbeitung seiner Nachhaltigkeitsziele quasi überholt: Zum Beispiel vom Lebensmittelkonzern Princes, in Großbritannien der Hauptanbieter für Dosentunfisch und in Österreich mit Vier Diamanten die meistverkaufte Marke. Das Unternehmen verkündete vor wenigen Wochen, bis 2014 zu 100 Prozent auf nachhaltige Fangmethoden umzusteigen. In Großbritannien ist Princes mit dieser Selbstverpflichtung aber nicht alleine: Außer ‚John West‘ haben sich in den letzten Monaten alle großen Tunfischmarken zu ähnlichen Nachhaltigkeitsszenarien mit 100% geangeltem oder Fischsammler-frei gefangenem Tunfisch verpflichtet. Ein wesentlicher Teil der europäischen Tunfisch-Industrie hat sich also – angetrieben von einer erfolgreichen Greenpeace-Kampagne – zu umweltfreundlichen Fangmethoden bekannt. Das Bolton-Ziel muss also höher gesteckt sein, um nicht neben den aktuellen Verpflichtungen lächerlich zu wirken. Bolton sollte seinen KundInnen deutlich zeigen, dass seine Nachhaltigkeitspolitik nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, das an der Realität auf dem Meer – Tonnen an unnötig getötetem Beifang – nichts ändert!

Auch bei der Kennzeichnung der Tunfischdosen hat Bolton übrigens noch einiges zu tun: Für den Konsumenten wird es noch lange dauern, bis er auf einer Rio Mare-Dose nachlesen kann, welcher wie und wo gefangene Tunfisch sich darin befindet. Erfreulich ist allerdings, dass sich in Boltons Nachhaltigkeitsreport insbesondere das Greenpeace-Engagement im Pazifik konkret niederschlägt: Bolton wird in Zukunft die von Greenpeace geforderten Schutzgebiete im Pazifik unterstützen, in dem es keinen Tunfisch kauft, der in diesen Gebieten gefangen wurde. Auch verspricht das Unternehmen, keinen Tunfisch von Schiffen oder Firmen mehr zu kaufen, die in illegale Aktivitäten verstrickt waren oder ein Umladen auf See – sogenanntes ‚transhipment‘ – durchführen.

Marktriese Bolton – zu groß um stillzustehen

Bolton Alimentari mit Sitz in Italien ist weltweit einer der größten Hersteller von Tunfisch in Dosen und betreibt nahe Mailand die größte Tunfischdosenfabrik in Europa. Diese produziert drei Millionen Dosen täglich und verarbeitet 25.000 Tonnen Tunfisch pro Jahr. Boltons Hauptmarken  Rio Mare und Saupiquet sind in über 30 Ländern, unter anderem in Österreich, der Schweiz, Holland, Griechenland, Kanada und Italien vertreten. Durch ihren großen Marktanteil könnte die Firma eine echte Veränderung beim Tunfischfang bewirken. Anfang 2010, als Greenpeace den Druck verstärkte, hatte Bolton noch keinerlei Grundsätze zur Nachhaltigkeit oder Kennzeichnung ihrer Produkte. Marktriese Bolton hat seine Zukunft selber in der Hand: Will die Firma auch in Zukunft weiter Tunfischdosen herstellen, muss er dafür sorgen, dass es auch in Zukunft noch Tunfisch in unseren Meeren gibt!

 

Antje Helms, Greenpeace Meeresbiologin

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Jaitapur – eine AKW-Katastrophe mit Ansage?

In Indien soll mitten in einem Erdbebengebiet der größte Atomkomplex der Welt entstehen. Genau zwei Monate nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima und 25 Jahre nach Tschernobyl hat die Atomlobby nichts aus ihren Fehlern gelernt. Europäische Banken beteiligen sich munter an der Finanzierung des Wahnsinnsprojekts im indischen Jaitapur.

 

Jaitapur wird regelmäßig von Erdbeben heimgesucht und liegt im einzigen Abschnitt der indischen Westküste, der offiziell als Hochrisikozone eingestuft ist. Greenpeace hat die beteiligten Banken auch auf das Risiko von Überflutungen des Reaktorgeländes im Falle eines Tsunami hingewiesen. Proteste gegen den geplanten Atomkomplex gibt es rund um Jaitapur im Bundesstaat Maharashtra schon seit Bekanntwerden des Projekts vor vier Jahren. Bislang protestierten vor allem Bauern und Fischer, die von ihrem Land verdrängt werden und ihre Lebensgrundlage verlieren, gegen die geplante Anlage. Seit der Katastrophe in Fukushima wenden sich auch zahlreiche Wissenschaftler, Umweltverbände, Parteienvertreter, Richter und Militärangehörige gegen das Projekt. Bei einer Demonstration im April 2011 wurde eine Person von der Polizei getötet, mehr als 1500 Demonstrierende nahm die Polizei in Haft.

Die geplanten EPR-Reaktoren der neuen Generation (European Pressurized Reactor) sind vom selben Typ wie die derzeit im Bau befindlichen Reaktoren in Flamanville und im finnischen Olkiluoto. Die finnische Atomaufsichtsbehörde STUK hat bis dato beim Bau von Olkiluoto 3 mehr als 3000 Qualitäts- und Sicherheitsmängel aufgedeckt, die unter anderem durch die Vielzahl an Subunternehmen verursacht wurden.
In Bezug auf die Sicherheitskultur in Indien sind erst recht Zweifel angebracht. Schon beim Bau und Betrieb kleinerer Reaktoren gibt es immer wieder technische Mängel und Sicherheitsprobleme. Einer der eindrücklichsten Fälle war 1994 der Einsturz des Reaktor-Containments im Atomkraftwerk Kaiga.

 

Gerne können Sie uns bei einem gemeinsamen Protest gegen die Finanzierung des weltweit größten AKW-Projekt unterstützen.

Senden Sie gemeinsam mit uns einen Protestbrief an die involvierten Banken wie HSBC oder BNP Paribas. Hier finden Sie den Protestbrief

 

 

 

 

 

 

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Greenpeace-Strahlenmessteam auf der Rainbow Warrior

In den letzten Wochen waren Greenpeace-Teams rund um Fukushima unterwegs und haben die radioaktive Strahlung in Gemüse und Bodenproben gemessen. Sie haben besorgniserregende Dosen an Radioaktivität gefunden. Nun müssen diese Untersuchungen auf den Pazifik ausgeweitet werden. Deswegen ist die Rainbow Warrior mit einem Strahlenmessteam unterwegs.

Wir haben im Folgenden den Blogbeitrag von Ike Teuling übersetzt. Sie ist Atom- und Strahlenexpertin bei Greenpeace und schreibt von Bord der Rainbow Warrior.

 

Ich habe die besorgniserregenden Entwicklungen in Fukushima von Beginn an verfolgt – aus sicherer Entfernung, in meinem Büro in Amsterdam. Jetzt plötzlich befinde ich mich auf einem schwankenden Schiff und komme dem Unglücksgebiet jeden Tag ein bisschen näher…

Vor einer Woche bin ich in Keelung, Taiwan, an Bord der Rainbow Warrior gegangen. Eigentlich arbeite ich für Greenpeace Niederlande als Atomexpertin. Aber jetzt wird mein Wissen über radioaktive Strahlung hier an Bord gebraucht, um die Sicherheit der Crew zu garantieren.

Jetzt wo wir näher an Fukushima herankommen, hat die japanische Regierung begonnen, unsere Bemühungen unabhängige Untersuchungen durchzuführen, zu behindern. Die bisher von der Regierung und Tepco veröffentlichten Informationen sind ungenügend. Sie lassen nicht nachvollziehen, welche Gefahr tatsächlich von dem radioaktiven Wasser ausgeht, das kontinuierlich in den Pazifik läuft. Dabei besteht in der japanischen Bevölkerung ein großer Bedarf an unabhängiger Information zur radioaktiven Kontamination von Fisch und Meeresfrüchten. Aus diesem Grund wollen wir Muscheln, Fisch und Seetang untersuchen.

Die Informationen werden also dringend benötigt. Trotzdem hat die japanische Regierung uns am Donnerstag die Genehmigung verweigert, in ihre Hoheitsgewässer einzufahren und dort Messungen vorzunehmen. Wir dürfen Messungen außerhalb der 12-Meilen-Zone, durch die diese Gewässer abgegrenzt sind, vornehmen. In das Küstengebiet, wo die Japaner ihren Fisch fangen, dürfen wir nicht. Das ist eine sehr kritische Situation und wir werden nicht aufgeben. Wir halten weiter Kurs auf Fukushima, um unsere Untersuchungen von weitem zu beginnen. Gleichzeitig versuchen wir, doch noch die Erlaubnis zu bekommen, auch innerhalb der 12-Meilen-Zone Proben nehmen zu dürfen. Eigentlich sollte die japanische Regierung solche unabhängigen Untersuchungen doch begrüßen. Tatsache ist, dass sie nie genügend Informationen über das Ausmaß der radioaktiven Verstrahlung haben kann. Und die Bevölkerung hat ein Recht darauf.

Sich Fukushima zu nähern, ist nicht ungefährlich. Die Reaktoren sind immer noch nicht völlig unter Kontrolle und es besteht die ganze Zeit ein Risiko, dass es zu weiteren Eskalationen kommt. Zum Beispiel könnte es wieder eine Explosion geben, durch die große Mengen von Radioaktivität frei gesetzt werden. Oder ein Nachbeben, das den ganzen Reaktor zusammenstürzen lässt. Deshalb gibt es an Bord der Rainbow Warrior umfassende Sicherheitsvorkehrungen. Wir haben während der letzten Woche viel Zeit damit verbracht, das Schiff „strahlungssicher“ zu machen. Dafür haben wir auf der Bücke Geräte zur Strahlenmessung installiert, spezielle Luftfilter bestellt und einen Bereich extra zur Dekontaminierung gebaut. Wir haben der Unterweisung unserer mutigen Crew viel Zeit gewidmet. Es ist wichtig, dass sie über Basiswissen zu radioaktiver Strahlung verfügt und so das Risiko einschätzen kann, bevor sie in einem möglicherweise radioaktiv verstrahlten Gebiet arbeitet. Wir haben den Ablauf von Dekontamination geübt und Anweisungen zu spezieller Arbeitskleidung gegeben: weiße Anzüge aus Tyvek-Faser, verklebt mit Gummistiefeln und Handschuhen. Ich persönlich freue mich sehr darüber, dass die Crew mir und Jacob, unserem anderen Strahlenschutzbeauftragtem, vertraut und wir für ihre Sicherheit verantwortlich sein dürfen.

Nach einigen Tagen unvermeidlicher Seekrankheit bin ich jetzt ziemlich seefest und bereit, den Gefahren ins Auge zu sehen – und allen Hindernissen, die die japanische Regierung unserer wissenschaftlichen Mission in den Weg legt.

Ike Teuling

für das “Radiation Survey Team”

 

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